Bullerbyn in Deutschland – Inga’s Traum(Schweden)haus

Inga im Interview

Hej Inga, stell dich doch bitte kurz vor.

Ich heiße Inga, bin 37 Jahre alt und wohne mit den Mann und unseren zwei Töchtern seit Herbst 2017 in unserem roten Schwedenhaus an der Ostsee. 

Du hast dir dein eigenes kleines Bullerbyn gebaut, wie kam die Idee?

Wir sind nach der Geburt unserer älteren Tochter im Sommer 2013 von Göttingen in Richtung Ostseeküste gezogen, weil die Familie des Mannes hier einen Bauernhof betreibt. Wir wollten gern, dass unsere Kinder auf dem Land, in der Nähe zur Familie und der Ostsee aufwachsen. Dass sie Tiere und Pflanzen kennenlernen und im Idealfall einfach aus dem Haus laufen und direkt toben und spielen können, ohne dafür extra auf einen Spielplatz zu müssen.

Also haben wir erstmal in einem Haus zur Miete gewohnt. Uns war aber klar, dass wir im Grunde gern etwas eigenes hätten. Also gab es die Option, nach einem Resthof zu suchen oder einem Bauplatz zu finden.

Beides gestaltete sich gar nicht so einfach, denn wenn wir auf dem Land eines wollten, dann möglichst wenig Nachbarn und besonders viel Natur. Schließlich ergab es sich durch einen großen Zufall und noch mehr Glück, dass wir zu dem Stück Natur kamen, auf dem wir dann schließlich unser Haus bauen durften. Unglaublich. Wenn man mir vor ein paar Jahren gesagt hätte, dass ich bald in einem Schwedenhaus Haus mit Meerblick wohnen würde, hätte ich es nicht geglaubt.

Woher kommt die Schwedenliebe?

Die Liebe zu Schweden hat sich erst vor etwa 15 Jahren so richtig entwickelt. Bis dahin hielt ich Irland immer für das Land, in dem ich gern wohnen möchte…

Natürlich bin ich, wie fast jedes Kind, in den 1980ern mit den Geschichten von Astrid Lindgren aufgewachsen.

Das Bullerbyn, das Astrid Lindgren seit 1952 in ihren Büchern beschreibt, ist für mich ein wichtiges Stück Kindheit. Als Kind habe ich mich sehr damit identifiziert, da eines der Kinder Inga heißt – wie ich. Dieser Name war in unserer Kleinstadt Mitte mehr als selten und irgendwie hatte ich wohl deswegen das Gefühl, ein Teil von Bullerbü zu sein. Dort zuhause zu sein.

Außerdem hingen in meinem Elternhaus an der Wand hinter unserem Esstisch im Wohnzimmer immer drei Drucke des Malers Carl Larsson, die ich mir als Kind bei nahezu jeder Mahlzeit immer ganz genau genau ansah, mir Geschichten dazu ausdachte und auch mich selbst in den Bildern fand.

Als wir 2017 dann während eines Schwedenurlaubs sein Haus, das mittlerweile ein sehr lebendiges Museum ist, besuchten, wurde mir klar, wie sehr mich auch diese Bilder (unterbewusst) geprägt haben.  Die Ruhe, Ungezwungendheit und Gemütlichkeit, die diese Bilder ausstrahlen vermitteln nicht nur das Bild einer behüteten Kindheit, sondern zeigen für mich auch ein kleines Paradis für Erwachsene.

Gibt es besondere Details die du unbedingt im Haus wolltest?

Erst dachten wir, unser Schwedenhausvorhaben scheitert an diversen  Bauvorschriften, aber am Ende hat dann doch alles geklappt (wenn auch nicht ganz so, wie wir es uns ursprünglich gedacht hatten, aber immerhin…).

Ich habe in Studienzeiten mal in einer Wohnung in Dublin gewohnt, in der es in der Küche ein großes rundes Fenster gab. da sagte ich mir: Wenn ich einmal baue, dann mit rundem Fenster. Zu dem Zeitpunkt war ich noch davon ausgegangen, dass mein Bad ein Bullaufe haben sollte.

Schließlich fanden wir habe bei unserem Hausanbieter ein Musterhaus, das eben genau so ein Fenster in eine Kathedraldecke intefriert hatte und ich war direkt hin und weg. Irgendwie brachte es so viele unserer Vorstelltungen zusammen. Denn überlicherweise findet man diese Art Fenster nicht in einem klassischen Schwedenhaus.

Natürlich gehörte für uns auch die Veranda zum Schwedenhaus, genau wie ein Balkon. Auch wenn wir diesen ehrlicherweise viel zu selten nutzen. Hier denke ich manchmal, das es schlau geweden wäre, ihn am hinteren Teil des Hauses zu haben, da wir dann von dort aus auf Meer gucken könnten.

Aber vieles wird einem ja erst bewusst, wenn man wirklich in dem Haus lebst. Das ist wohl normal… Ähnlich ist es momentan auch mit unserer Galerie –  Da wir ein sehr unerschrockenes Kleinkind haben, das gern überall drauf klettert, nutzen wir die Galerie momentan noch nicht wirklich.

Hier steht unsere kleine “Hausbibliothek” und irgendwann sollen dort auch Sessel oder Sofa stehen. Aber erst, wenn man keine Angst haben muss, dass sich jemand einen Turm daraus baut und über das Geländer steigen möchte.

Was waren deine Inspirationen beim planen.

Wir haben eigentlich erstmal drauf losgemalt. Nachdem wir das Musterhaus gefunden hatten, haben wir uns erkundigt, welche Wände tragend sind und woran wir noch etwas ändern können. Mir war immer wichtig, dass es zum Beispiel leicht möglich ist, die Einkäufe in dirket in die Küche und Vorratsraum bringen zu können, genug Platz im Hauswirtschaftsraum zu haben, damit beispielsweise ein Wäscheständer nicht mehr im Wohnbereich stehen muss.

Uns gefiel die Idee, alles offen zu halten. Klar, bedeutet es auch Hellhörigkeit, aber das finde ich mit kleinen Kindern dezeit auch sehr vorteilhaft. Außerdem mag ich es, wenn ich in der Küche bin und trotzdem mit den Kindern im Wohnzimmer sprechen kann. Natürlich hat auch jeder bei uns seinen Rückzugsort.

Da ich viel bastel und ein kreativer Mensch bin, der Mann aber sehr gradlinig und sturturiert vorgeht, war klar, dass wir uns kein Arbeitszimmer teilen sollten. Dafür haben wir dann gern auch auf einen begehbaren Kleiderschrank oder ein großes Badezimmer verzichtet.

Bezüglich der Einrichtung und Gestaltung habe ich mir viele Ideen auf Pinterest geholt, aber auch die vielen Eindrucke der ganzen Schwedenurlaube in meinem Kopf gepeichert, die ich irgendwann umsetzen wollte.

Wo in Deutschland lebt ihr? 

Wir wohnen an der mecklenburgischen Ostseeküste.

Was gefällt dir an Schweden am meisten?

Ich mag in Schweden die Weite, die Ruhe und Einsamkeit und die unberührte Natur. Außerdem bin ich begeistert davon, wie sehr die Schweden doch auch aufeinander achten. Für uns war es zum Beispiel völlig neu, dass an einem öffentlichen Grillplatz am See bereits Holz oder gar Kerzen bereit liegen. Wir sind große Fans des Jedermannsrechts, das uns dazu ermutigt hat, viele Wege und Straßen zu wählen, die wir vielleciht sonst nicht gesehen hätten. Vor den Kindern waren wir viel mit einem Wohnmobil unterwegs und haben uns einfach immer neue einsame Plätze an Seen für die Übernachtung gesucht.

Bezogen auf den Einrichtungsstil der Schweden gibt es natürlich auch unzählige Dinge, die mich begeistern. Das beginnt bei den Stoffen für Vorhänge, Kissen und Tischdecken und endet bei der Komibnation von sehr alten Möbeln mit einigen neuen Stücken. Vieles ist klar und weiß gehalten und es werden viele kleine Akzente, oft floral, gesetzt. Das sagt mir sehr zu. Ich habe eine große Vorliebe für Möbelstücke mit Geschichte und werde hier in den Loppis-Märkten immer wieder fündig.


Schon einmal mit dem Gedanken gespielt dein Haus in Schweden aufzustellen? 😀

Aufstellen möchte ich dort keins, aber liebend gern würde ich ein altes Schwedenhaus dort kaufen. Davon träume ich wirklich. Ich kann mir auch gut vorstellen dort ganz zu leben. Nebenbei lerne ich schonmal Schwedisch mit einer App, denn bevor man dort einen Job suchen kann, sollte man wohl erstmal die Sprach etwas mehr beherrschen.

Welchen Tipp würdest du Schwedenhaus Liebhabern geben, die ihr eigenes Schwedenhaus bauen wollen?

Oh, gute Frage. Das kommt ja sehr darauf an, was man selbst möchte. Es ist auf jeden Fall sehr ratsam, sich viele Musterhäuser von unterschiedlichen Anbietern anzusehen. Uns war auch wichtig, dass der/die Inhaber der Firma und sympatisch sind, zu uns passen und auch verstehen, worauf es uns ankommt.

Man muss sich klar machen, worauf es einem ankommt und was dann noch die Portokasse zulässt. Und war es sehr wichtig, den Großteil unserer Vorstellungen umsetzten zu können und nicht “nur” ein Haus aus dem Katalog (quasi von der Stange) auszuwählen. Bei den meisten Anbietern wird es aber genau dann immer teurer, je mehr man von dem Katalogmodell abweicht.

Andere bieten nur ein schlüsselfertiges Haus an, bei dem man Fliesen usw ebenfalls aus einem vorgegeben “Katalog” auswählen kann. Auch das kam für uns erstmal nicht in Frage, weil ich mich in der Auswahl nicht einschränken lassen wollte. Am Ende des Tages wäre es vielleicht gar nicht so ungünstig gewesen, weil es einem bei der Fülle des Angebots und des Mangels an Zeit viel Arbeit abnimmt.

Wir haben alle Gewerke selbst vergeben, den größten Teil der Bauleitung selbst übernommen und das war schon eine sehr arbeitsintensive Zeit. Wer diese nicht hat, dem würde ich definitiv raten Schlüsselfertig zu bauen, da man sich sicherlich auch einiges an Ärger ersparen kann.

Hier gibt es einen Link zur Montage unseres Hauses

Wo können Leute mehr über dich erfahren und deinem leben im Schwedenhaus weiter verfolgen?​

Ich habe unter dem Namen My_little_Bullerbyn vor einem Jahr einen Instagram Account erstellt, auf dem ich sehr regelmäßig und mit viel Freude unser Haus und das Leben darin und drumherum zeige. Außerdem bin ich gerade bei, mir eine kleine Homepage zu erstellen, die unter www.mylittlebullerbyn.de zu finden sein wird.

Habt Ihr Lust auf ein Schweden Auswanderer Interview ? Dann Klickt hier! Titel: Nach Schweden auswandern – leben und arbeiten im Camphill

Published by Marco Strong

Marco & Elias - Inspiring the world for Stockholm 🇸🇪

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