Nach Schweden auswandern – Alte Schule Schweden

Nicole und Harald im Interview

Hallo Nicole, Hallo Harald – Stellt euch doch bitte kurz den Lesern vor.

Wir sind Nicole und Harald mit den Kindern Paul und Ruben und drei Doggen, vielen Katzen, zwei Kaninchen, vielen Hühnern, zwei Schildkröten und einem Wellensittich

Wann hattest du/ihr die Idee auszuwandern und warum Schweden?

Im Jahr 2009 machten wir als Familie mit drei Kindern erstmals Ferien in Schweden. Nicole hatte zuvor schon Zeit in Schweden verbracht, was aber einige Jahre zurück lag. Es gefiel uns auf Anhieb so gut, dass wir auch den Urlaub im Jahr darauf in Schweden verbrachten. Besonders das Klima fanden wir angenehm.

Natürlich kommt man nicht umhin, einen Blick in die zahlreichen Schaufenster der ebenso zahlreichen Makler zu werfen und, siehe da, ein kleines Ferienhäuschen kostet gar nicht viel. In den folgenden Monaten haben wir immer mal wieder im Internet nach Häusern geschaut und auch das eine oder andere für gut befunden.

Eines war irgendwie besonders schön, aber zu groß und zu teuer um als Ferienhaus zu gelten. Nach einiger Zeit ist uns das selbe Haus noch einmal aufgefallen und Nicole hat einen Besichtigungstermin vereinbart. Obwohl dieser Termin im März stattfand, während die Natur im Winterschlaf war, hat uns das Haus in seinen Bann gezogen. Aber zu groß und zu teuer…

So kam die Idee, dass wir eben dorthin ziehen müssen. Der spätere Kauf dieses Hauses war unkompliziert und langwierig zugleich, was an den privaten Verhältnissen des Verkäufers lag. Als geeigneter Zeitpunkt für den Umzug hatten wir das Jahr 2014 ins Auge gefasst.

Wohin genau hat es dich gezogen und wieso genau dort?

So sind wir also in Blekinge, genauer gesagt in Olofström gelandet. Wir hatten keine Ahnung, was das Besondere an Blekinge ist. Wie wohl die meisten Deutschen hatten wir Småland als Inbegriff Schwedens im Sinn, Pipi Langstrumpf, IKEA und so weiter. Man kann durchaus sagen, dass das Haus uns gefunden hat und nicht umgekehrt.

Heute wissen wir die Vorzüge Blekinges zu schätzen. Die Küste ist immer in der Nähe, die Landschaft ist sehr abwechslungsreich mit Feldern und Wiesen, Wäldern und Seen, Landwirtschaft und Obstanbau. Wenn man, so wie wir, noch intensive Kontakte zur alten Heimat pflegt, ist man für jeden Kilometer dankbar, den man auf dem Weg nach Deutschland einsparen kann.

Wir besuchen regelmäßig unsere Eltern und die große Tochter, die nicht auf den Zug nach Schweden aufspringen wollte und ja auch bereits eine eigene Familie gegründet hat. Inzwischen sind wir innerhalb Schwedens schon weiter weg gereist, als die Strecke nach z.B. Frankfurt am Main, wo wir früher gewohnt haben.

Gab es zu Beginn irgendwelche Interkulturellen Schwierigkeiten mit den Schweden?

Die schwedische Mentalität war uns nicht ganz fremd. Wir besuchten mehrere VHS-Kurse, die von einer ehemaligen schwedischen Grundschullehrerin gehalten wurden. Der Zufall wollte es außerdem, dass wir im Schuljahr 2011/2012 einen Austauschschüler aus Visby bei uns aufnehmen konnten.

Daraus ist eine tiefe Freundschaft entstanden, die auch seine Familie mit einschließt. Wir besuchen regelmäßig Gotland und werden dort stets mit offenen Armen und Herzen aufgenommen. Natürlich gibt es gegenseitiges Stirnrunzeln, am Ende lachen wir aber viel miteinander. Gotland können wir uns sehr gut als “Altersruhesitz” vorstellen.

Die ersten Bekanntschaften rund um unser neues Haus erlebten wir als respektvoll und distanziert. Jeder grüßt Jeden, aber mit Abstand. Sozusagen eine natürliche Verhaltensweise, die in Zeiten von Corona nicht erst eingefordert werden musste.

Die Verständigung war naturgemäß anfänglich etwas holprig, mit Händen und Füßen und allen Sprachen außer Schwedisch (das Wissen aus der Volkshochschule rutscht einem hier in die Hose). Tatsächliches Lernen findet erst vor Ort statt, wenn man es denn will.

Wie und womit verbringt ihr euren Alltag?

Nun, eins vorweg, Langeweile kommt nicht auf. Wir kauften ein zweites Haus, mit dem wir unser berufliches Dasein realisieren. Das zunächst noch in Deutschland verbliebene Tonstudio fand ein neues Zuhause in einer alten Schule aus der Zeit um 1900.

Weitere Räume in dem großen Gebäude eröffneten die Möglichkeit, Feriengäste zu beherbergen. Gute Vorraussetzungen also, unser beider Berufe, Köchin und Musiker, unter ein Dach zu bringen.

Der besondere Clou ist also, eine ganze Band, mit Partnern, im Haus zu haben, die einen Urlaub verbringen und gleichzeitig in entspannter Atmosphäre kreativ im Aufnahmestudio arbeiten können, gemeinsames Essen im hauseigenen Cafe inbegriffen.

Dies haben wir realisiert und mussten aber dann feststellen, dass keineswegs eine Jubelruf durchs Volk ging und sich alle auf uns stürzten. Im Gegenteil, es ist zäh, zäh, zäh. Die Arbeit macht uns Freude und die Feriengäste aus Deutschland sind zufrieden und dankbar.

Das Haus in dem wir wohnen, liegt mitten im Wald und erfordert ebenfalls täglich Aufmerksamkeit und Pflege, von den Tieren (u.A. drei Deutsche Doggen) ganz zu schweigen. Aber wir haben es ja so gewollt…
Einzelheiten über die alte Schule gibt es auf Facebook (Alte Schule) oder hier auf unserer Webseite.

Da es momentan durch Corona so gut wie keine Möglichkeiten für Live-Musik gibt, erfüllen wir seit Anfang April täglich einen Musikwunsch, den wir mit Gitarre oder Piano, live gesungen, in Facebook veröffentlichen.

Was gefällt dir an Schweden am meisten?

An erster Stelle steht für uns die Gewissheit, dass unsere beiden Kinder in ihren jeweiligen Schulen besser aufgehoben sind als in Deutschland. Die Werte, die durch die Lehrer vermittelt werden, schaffen ein gesundes Selbstbewusstsein und einen Gemeinsinn, wie er in Deutschland schon lange nicht mehr gepflegt wird.


An vielen Stellen geht es noch so zu, wie ich (Harald) es aus meiner Kindheit kenne. Das kann der Anblick eines Vorgartens oder der Besuch einer Eisenwarenhandlung sein. Zack – hat mich ein nostalgisches Gefühl erwischt. Ich finde das schön.

Nicole ist von der Natur begeistert, die ihrer Heimat in Norddeutschland nicht unähnlich ist. Sinnvolle Tätigkeiten im Freien, wie zum Beispiel Bäumepflanzen (!!), machen glücklich und zufrieden.

Gibt es typisch schwedische Eigenschaften die einem auffallen?

Die allermeisten Schweden, mit denen wir bislang zu tun hatten, sind:
hilfsbereit, vorsichtig, zurückhaltend, gehen Entscheidungen aus dem Weg bei denen sie Verantwortung übernehmen müssten

Kommt eine Rückkehr nach Deutschland jemals wieder in Frage? 😀

Das kann man nicht wissen.

Wir haben es derzeit nicht vor. Gerade jetzt in Zeiten von Corona, gibt es Momente in denen du jetzt gerne in Deutschland wärst?

Was für ein absurder Gedanke. Wir denken, die Schweden handeln insgesamt besonnener als die Mehrzahl der Deutschen. Wir erleben eine stille Übereinkunft mit unseren Mitmenschen, wie man sich derzeit zu verhalten hat. Kein Hüh-hot, wie wir es in den Nachrichten aus Deutschland verfolgen.

Welchen Tipp würdest du Schweden-Auswanderern mit auf den Weg geben?

Für jegliches Vorhaben sollte man mindestens die doppelte Zeit einplanen und damit auch die nötigen finanziellen Mittel. Gegenüber Neuem legen die Schweden gerne eine gewisse Trägheit an den Tag.

Wo können Leute mehr über dich erfahren und deinem Auswandererleben in Schweden weiter verfolgen?

Wir in Facebook aktiv ist, kann uns dort unter unserer beider Namen, Nicole Bauch und Harald Bauch, verfolgen.

Vielen Dank für das Interview!

Falls Ihr mehr über mein Leben in Schweden erfahren wollt, schaut auf meiner Instagram Seite vorbei.

Habt Ihr Lust auf einen weiteren Artikel? Dann Klickt hier – Titel: Roadtrip durch Schweden – Die beste Route

Published by Marco Strong

Marco & Elias - Inspiring the world for Stockholm 🇸🇪

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